Winterquartier für Schuppentiere

PERLEBERG – Ein auftriebsregulierbarer Unterwassersauger und ein Windenboot, beides verbunden über Stahlseile – das ist ein Sanieromat. Und jener ist derzeit im größeren der zwei Karpfenteiche im Einsatz. An die 20 Meter vom Ufer entfernt saugt er eine Rinne, 90 Meter mal 15 Meter breit – ausreichend, um den Fischen auch bei geschlossener Schnee- und Eisdecke ein Überleben zu sichern. „Selbst ein Gartenteich sollte an einer Stelle mindestens einen Meter tief sein, wenn er mit Fischen besetzt ist“, erläutert Antje Hartwig, zuständig für Umwelt- und Naturschutz bei der Stadt. Auf diese Tiefe bringen es die Karpfenteiche längst nicht mehr. 65 bis 75 Zentimeter wurden gemessen, zu flach zum Überwintern für die Schuppentiere. So ist die Sanierung der Karpfenteiche seit Jahren Thema, das jedoch immer an der Frage, wer das bezahlen soll, scheiterte.

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Mitarbeiter der Firma Ulbrich und der Ingenieurgesellschaft Stüvel messen die Tiefe.

Im vergangenen Jahr ergriff die Stadt die Initiative, gab Voruntersuchungen in Auftrag. Anfang des Jahres stand fest, mit Unterstützung vieler ist die Sache zu stemmen. Rund 30 000 Euro sind für das Vorhaben veranschlagt. Von der Stiftung Naturschutz kommen 5500 Euro, der Landesanglerverband steuert 2000 Euro bei, die Jagdgenossenschaft Perleberg ebenfalls 2000 Euro und der Kreisanglerverband 800 Euro. Den Rest übernimmt die Stadt, die im Vorfeld auch die Planung und Kosten für Vorarbeiten beglich. „Das sind nochmal rund 10 000 Euro“, überschlägt Antje Hartwig.

Zirka 1000 Kubikmeter Schlamm und Sediment saugt der Sanieromat auf. Eingespült wird das in den linken Umfluter, der mit dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens seine Schuldigkeit getan hatte. Mehr noch, da er sehr tief in die Landschaft hineinragt, entzieht er ihr auch Wasser. Durch den Aushub wird die Sohle nun angehoben – „ein positiver Nebeneffekt“, wie die Umweltfachfrau betont.

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Am Boot angekommen taucht der Sanieromat kurzzeitig auf, um anschließend wieder den Schlamm am Boden aufzusaugen.

Mindestens 1,50 Meter Tiefe werden so an jener Stelle des Karpfenteiches erreicht. Norbert Markwart, Kreisgewässerwart, verbindet damit natürlich die Hoffnung, dass sich die Investition auch auszahlt. Es ist ein Kompromiss, den man hier eingegangen ist. Denn unberührt bleibt der Schilfbereich. Die Karpfenteiche befinden sich in einem FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat), in einem Landschaftsschutzgebiet und im Biosphärenreservat. Sie sind vor allem Laichgebiet von Amphibien. Und Letzteres war auch der Grund, dass die Maßnahme nicht wie geplant schon im Frühjahr über die Bühne gehen konnte. „Der Winter war hart und zu lang, das Frühjahr kam mit Macht und damit begann auch gleich die Krötenwanderung“, so Antje Hartwig.

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In den linken Umfluter wird der Schlamm eingespült.

Mitte nächster Woche soll der Sanieromat seine Arbeit getan haben. „Es ist aus unserer Sicht das schonendste Verfahren mit dem günstigsten Feststoff-Wasserverhältnis. Bei einem anderen Verfahren hätte man unter Umständen noch Wasser zuführen müssen“, erläutert die Umweltfachfrau. Auch Norbert Markwart ist überzeugt, dass man hier ein „top Verfahren anwendet“. Anschließend soll über den Kreisanglerverband wieder neuer Fischbesatz in den Karpfenteich. „Der extreme Winter hat Tribut gefordert. Die meisten Fischen haben ihn nicht überlebt“, so Markwart.Über die Bedeutung des Gewässers gerade auch für den Angelsport zu debattieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen. So gibt es bereits konkrete Überlegungen, um die Karpfenteiche weiter aufzuwerten. Angedacht ist die Einrichtung eines behindertengerechten Anglerplatzes, der damit der erste dieser Art in der Prignitz wäre. Aber auch für die Kinder- und Jugendarbeit sind die Karpfenteiche wichtig, handelt es sich hier doch um ein relativ sicheres Gewässer. Und auch die Senioren unter den Petri-Jüngern wissen die Nähe des Angelgewässers zu schätzen.

Quelle: SVZ

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