Sumpf-Bärlapp und Königsfarn

WOOSTEN – Unter der sachkundigen Geländeführung von Dr. Paul Steinbach unternahm die NABU-Fachgruppe Geobotanik eine Exkursion in die Wooster Heide. Als Claus Möller von der Leitung der Fachgruppe die 15 Teilnehmer begrüßte, wurden sie auch durch Rufe des seltenen Fichtenkreuzschnabels begrüßt. Die Teilnehmer werteten das als gutes Omen für die Exkursion, und so war es dann auch. Im Mittelpunkt der Beobachtungen stand der Paschensee. Der Paschensee, ein Naturschutzgebiet, ist ein nährstoffarmer und kalkarmer See. Da er keinen Zufluss besitzt, wird er nur durch Niederschläge gespeist. Man nennt solche Seentypen gern „Himmelsseen“. Vor Jahren hat man bei einer chemischen Untersuchung festgestellt, dass sein Wasser noch aus einer Tiefe von 12 m ohne vorherige Aufbereitung getrunken werden kann. Solche Seen sind in Mecklenburg-Vorpommern ganz selten. Dies und seine Lage inmitten der sandigen Heide bedingen eine interessante Vegetation mit etlichen seltenen und geschützten Pflanzenarten.

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Dr. Erna Schreiber stellt den Sprossenden Bärlapp vor (Walter Kintzel)

Auf dem schmalen Sandstreifen des Ufersaums stellte Dr. Erna Schreiber, ehemals Plau, den Sumpf-Bärlapp, in der wissenschaftlichen Literatur oft auch als Moorbärlapp bezeichnet, vor. Dieser Standort ist der einzige im gesamten Landkreis Parchim. Der Moorbärlapp bildet kriechende Stängel von 2 bis 10 cm Länge aus, ist immergrün, wächst auf nackten Torfböden sowie in Feuchtheiden und Dünensenken. In Mecklenburg-Vorpommern steht diese Pflanze auf der Roten Liste und gilt als vom Aussterben bedroht. Nach der Bundesartenschutzverordnung ist der Sumpf-Bärlapp in Deutschland besonders geschützt. Es war schon ein Erlebnis, diese Art zu sehen. Viele der Teilnehmer konnten diese so seltene Pflanze zum ersten Mal beobachten. Die Vermehrung erfolgt über Sporen, die zunächst einen Vorkeim bilden. Nach einigen Jahren entsteht dann die fertige Pflanze. Ihre Sprosse werden in der Regel nur zwei Jahre alt und zerfallen dann. Der Sumpf-Bärlapp ist eine Pionierpflanze, besiedelt also Rohböden. Da er aber nicht konkurrenzstark ist, ist er schon von Natur aus den anderen Pflanzen unterlegen und damit gefährdet. Am Paschensee wurde auch noch sein Verwandter, der etwas häufigere Sprossende Bärlapp gefunden. Ebenfalls auf dem schmalen Ufersaum konnte eine stark ausgebildete Population des Rundblättrigen Sonnentaus festgestellt werden. Der Sonnentau ist eine Insekten verzehrende Pflanze, „fleischfressende“ Pflanze. An einigen Exemplaren des Sonnentaus konnte das zur Freude der Exkursionsteilnehmer beobachtet werden. So deckt der Sonnentau seinen Stickstoff- und Phosphorbedarf.

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Königsfarn

Im Uferbereich wächst ebenfalls der Königsfarn, eine Art, die in unserem Bundesland als „stark gefährdet“ eingestuft wurde. Insgesamt gibt es nur drei Vorkommen in unserem Heimatkreis. Um zu seinem Standort zu gelangen, mussten die Exkursionsteilnehmer ein kleines Moor umgehen. Ein Botaniker, der eine Abkürzung wählte, sackte prompt im Moor ein, konnte sich aber mit Hilfe eines Baumes selbst befreien. Nach dem Motto „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ wies man ihn auf die gesundheitsfördernde Rolle des Moorschlamms hin. Der Königsfarn wurde mit vier Exemplaren hier 1974 entdeckt, inzwischen hat sich am sandigen Seeufer eine kleine Population aufgebaut, die auch Sporenträger hervorbringt, sodass für eine Reproduktion gesorgt ist. Bemerkenswert ist auch das Vorkommen verschiedener Sauergräser, die zu den Seggen und Binsen gehören. Die aufzuspüren, war eine besondere Genugtuung für die Spezialisten unter den Botanikern. Faden-Segge, Alpen-Binse und Baltischer Löwenzahn sind dafür illustre Beispiele. Es war eine gelungene Exkursion. Der Wunsch nach weiteren Exkursionen wurde mehrmals formuliert.

Quelle: SVZ

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