Sich für das Berufsleben bilden

PARCHIM//LÜBZ – Das kann sich sehen lassen: Nach drei erfolgreichen Schuljahren haben die Absolventen des Fachgymnasiums an der Berufsschule der Kreisstadt ihre allgemeine Hochschulreife in der Hand. Oder sie haben bereits nach der Klassenstufe 12 den schulischen Teil und nach einem einjährigen kaufmännischen Praktikum den praktischen Teil der Fachhochschulreife erworben. Über diese Wahlmöglichkeiten und über das Berufsbildungsjahr informierte die Berufsschule am Dienstagnachmittag nunmehr im zehnten Jahr. Die Informationsgespräche für den gymnasialen Bereich führten Klassen- und Englisch-Lehrerin Regina Dewald und ihre Kollegin Elke Träger. Dabei wurden die Pädagogen von Anja, Sarah und Beatrice aus der Klasse FGW 91 unterstützt: „Die Schülerseite stellt unser Angebot ganz anders dar als wir“, begründete Regina Dewald dieses Bemühen , möglichst authentisch zu wirken.

Sieben Hauptfächer werden am beruflichen Fachgymnasium unterrichtet: Deutsch, Mathematik, Englisch, Geschichte und politische Bildung, Chemie, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie eine zweite Fremdsprache (Russisch oder Französisch). Weitere Fächer sind: Rechtslehre, Rechnungswesen, Datenverarbeitung, Sport, Religion/Philosophie und Kunst. Die berufsbezogenen Schwerpunktbildung erfolgt an moderner Büro- und Computertechnik, womit die Gymnasiasten befähigt werden, anspruchsvolle Software in den Bereichen Textverarbeitung, Kalkulation, Auftragsbearbeitung, Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie Finanzbuchhaltung anzuwenden. Für das neue Schuljahr hat das Kultusministerium 33 Schülerplätze genehmigt.

Insgesamt etwa 100 Heranwachsende und junge Erwachsene haben sich derzeit für das Parchimer Fachgymnasium mit seinem Schwerpunkt Wirtschaft entschieden. So hoffnungsfroh das auf den ersten Augenschein auch stimmen mag, ist die Realität doch eher eine traurige: „Unsere Schülerzahlen sinken“, klagte Schulleiter Joachim Wendt.

Die Spitzenzeiten, wo sich zusammen mit den Berufsschülern der Ausbildungsbetriebe in den Zweigen Fachgymnasium, Berufsvorbereitungsjahr und Hauswirtschaft insgesamt mehr als 1 400 Schüler in dem Bau in der Eldestraße tummelten, sind längst Vergangenheit: „Wir haben derzeit nur noch rund 750 Schüler“, verdeutlichte Wendt den Niedergang. „Hinzukommt, dass die Hauswirtschaft mit derzeit 40 Schülern ausläuft.“ Die Landesregierung messe der beruflichen Bildung offenbar einen geringen Stellenwert bei, klagte der Schulleiter: „Wir könnten bei besserer personeller Ausstattung viel mehr bewirken.“ Stattdessen sei das Kollegium von einst 60 auf 35 Lehrkräfte geschrumpft. Zum Schüler- und Lehrerschwund habe auch die sogenannte Berufsfeldbereinigung beigetragen. Dabei sei zum Beispiel die komplette Metallsparte von Parchim an die Berufsschule nach Ludwigslust umgesiedelt worden. Nach dem Vollzug der Gebietsreform werde es im künftigen Landkreis Südwestmecklenburg ohnehin nur einen einzigen Hauptstandort für die Berufschule mit einer Außenstelle geben.

Für das Berufsbildungsjahr standen die Deutschlehrerin und Sonderpädagogin Gabriele Brümmer und ihr Kollege Uwe Müller Rede und Antwort. Dieses Angebot führt mindestens zur Berufsreife, wenn nicht sogar mit Leistungsfeststellung. Melanie (15) entschied sich nach der neunten Klasse der Förderschule für das Berufsbildungsjahr, „weil ich mich dann mit einem richtigen Zeugnis um eine Ausbildung bewerben kann“. Ihre Aussichten sind recht gut, hat ihr das Halbjahreszeugnis doch durchaus passable Noten bescheinigt. Ende Mai legt sie in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sozialkunde eine theoretische Prüfung ab. Danach absolviert sie wie auch ihre 33 Mitschüler ein sechswöchiges Praktikum, dem eine praktische Prüfung und – bei entsprechenden Noten – das Zeugnis der Berufsreife folgt.

Geschult wird die Allgemeinbildung in Fächern wie Deutsch, Mathematik, Sozialkunde, Philosophie und Sport. In der Theorie werden in den Bereichen Raumgestaltung, Hauswirtschaft und Metallbearbeitung Themen wie Arbeitswelt, Arbeitsgestaltung und Fertigungstechnologie unterrichtet.

Bewerbungen sowohl für das Fachgymnasium als auch für das Berufsbildungsjahr werden bis zum 28. Februar angenommen. Außer einem Bewerbungsschreiben sollen darin ein Foto, tabellarischer Lebenslauf und die Kopie des letzten Zeugnisses enthalten sein. Der Notendurchschnitt für das Fachgymnasium, so Schulleiter Wendt, sollte mindestens bei 2,5 liegen.

Wie steht es am Treppenaufgang der Haupttür der Berufsschule in Stein gemeißelt zu lesen: „Wissenschaft ist gut, Praxis ist besser, Praxis und Wissenschaft sind am besten.“

Quelle: SVZ

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