Kostbares Naturkleinod aufgewertet

WANGELIN – Auf dem Gelände des Wangeliner Gartens herrscht in der letzten Zeit Bewegung in doppelter Hinsicht: Einerseits sind es Bauarbeiten. Zudem legen Besucher auch zum Ende der Hauptsaison gern einen Stopp ein.

SVZ-Autor Jürgen Dembski sprach mit Leiterin Wera Bluhm.

Frau Bluhm, eine Baugrube und ein fast fertiggestelltes originelles Gebäude auf dem Gelände wecken die Neugier der Besucher. Das wirft Fragen auf?
Wera Bluhm: Das stimmt. Und wir freuen uns, die Gäste informieren zu können, dass eine Fläche von rund 5000 Quadratmetern neu gestaltet wird. Darin eingeschlossen ist ein Eingangsgebäude u.a. mit Laden und Café. Die Objekte, die im Rahmen des Projektes „MORGENland“ entstehen, werden schon durch die nicht alltägliche Architektur und Strohballenbauweise für Aufsehen sorgen. Ökologisches Bauen und alternative Energiequellen sind charakteristische Elemente des Projektes. Ganz entscheidend: Es entsteht ein Feriendorf für Kinder und Jugendliche, die sich hier mit Fragen der Zukunft vor allem auch praktisch auseinandersetzen sollen. Das von Ihnen erwähnte originelle Gebäude wird u.a. einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiterinnen des Gartens bieten und einen Erdkeller zur Lagerung von Obst und Gemüse, das hier geerntet wird. Es ist übrigens der Prototyp für die Strohballenbauweise.

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Viele Radler machen Halt am Garten. Hier beeindruckt auch das Informationsgebäude - ein moderner Lehmbau

Was versprechen Sie sich von den neuen Projekt?
Der Wangeliner Garten wird eine immense Aufwertung erfahren. Noch mehr Gäste werden angelockt, zumal wir schon der größte Kräutergarten im Land sind. Wir werden insbesondere für Kinder und Jugendliche noch attraktiver, zumal hier Bildung und Spaß auf einzigartige Weise kombiniert werden. Weidenlabyrinth, „Maulwurfshügel“ und Zauberblume werden perfekt ergänzt. Der Erlebnisfaktor für Groß und Klein steigt um ein Vielfaches.

Apropos Gäste. Wie bewerten Sie die Resonanz in diesem Jahr?
Die Saison ist bisher sehr gut gelaufen. Natürlich ist die Besucherzahl nicht mit 2009 vergleichbar, als wir Außenstandort der BUGA waren, was uns einen Riesenschub verliehen hat. Unsere Veranstaltungen – z.B. Führungen und besondere Highlights, wie die literarisch-kulinarischen Abende sowie erstmals durchgeführte Koch-Workshops – wurden sehr gut angenommen. Insgesamt fiel auf, dass immer mehr Familien mit Kindern zu uns kommen, was erfreulich ist.

Eine Aufwertung hat der Garten kürzlich auch durch die von Minister Backhaus überreichte Auszeichnung erfahren? Was bedeutet Ihnen diese?
Ausgesprochen viel. Es war schon ein sehr bewegender Moment, als der Minister auf Schloss Marihn bei Waren das Gütesiegel und die Plakette „Natur im Garten“ überreichte. Dazu muss man wissen, dass unter den 21 geehrten Gärten der Wangeliner der einzige außerhalb des Müritzlandkreises war. Hinzu kommt, dass wir zu den wenigen Gärten zählen, die allen Kriterien für die Ehrung voll gerecht geworden sind. Das macht stolz und spornt an. Die Auszeichnung sehe ich als Wertschätzung unseres langjährigen Wirkens. Der Wangeliner Garten wurde bekanntlich schon 1992 gegründet. Mit unserem Konzept, das kontinuierlich mit neuen Elementen angereichert wurde und wird, liegen wir genau richtig. Ich möchte nur auf die Vielfalt unserer Anlage verweisen, die 15 000 Quadratmeter umfasst und durch verschiedene Abteilungen wie z.B. den Kräutergarten als Kern sowie Bauerngarten, Schmetterlingsgarten, Trickpflanzen und Zauberpflanzen usw. geprägt ist. Nicht unerheblich, Besucher erhalten praktische Anregungen für den eigenen Garten.

Stichwort Gütesiegel und Plakette. Können Sie die Aktion, die neu in unserem Land ist, etwas näher erläutern?
Es geht darum, Gärten so naturnah wie möglich zu gestalten. Das schließt vor allem die Bewirtschaftung ausschließlich unter ökologischen Gesichtspunkten ein. Dadurch zeichnen sich auch die erzeugten Nahrungsmittel aus. Der Ursprung der Aktion liegt in Niederösterreich. Dort wurde diese von der Initiative „Natur im Garten“ ins Leben gerufen und ist schon seit rund zehn Jahren sehr erfolgreich. In Deutschland wurde die Aktion, die vom Müritz-Landkreis ausgeht, in diesem Jahr zum ersten Mal auf den Weg gebracht.

Wer kann ausgezeichnet werden?
Garten-, und auch Parkbesitzer, private Gärten eingeschlossen. Allerdings müssen bestimmte Kriterien beachtet werden? Drei Hauptkriterien sind Pflicht: Verzicht auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, von leicht löslichen Mineraldüngern sowie von Torf zur Bodenverbesserung. Ergänzt werden diese Grundregeln durch Kriterien für einen Naturgarten sowie eine entsprechende Bewirtschaftung.

Viel Zeit bleibt Ihnen nicht, um sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Saison 2011 ist sicher schon ein Thema?
Natürlich, schon allein durch das Projekt „MORGENland“, das dann voll anläuft. Aber auch die „normalen“ Arbeiten, wie die Vorbereitung des Jahresprogramms 2011 mit allem, was dazugehört, beschäftigen uns schon. Wir wollen uns z.B. auch für die Anerkennung als Schaugarten bewerben. Ich bin jetzt seit mehr als zehn Jahren Leiterin des Gartens. Es ist immer wieder spannend, dabei zu sein, wenn Neues für die Region und deren Gäste entsteht. Und neue Lorbeeren sind auch verlockend.

Quelle: SVZ

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