König der Lüfte grausam verletzt

KLÄDEN/GÜSTROW – Ein scheinbar flugunfähiger Vogel fällt einem Kraftfahrer in Qualitz im Landkreis Güstrow am Ortsausgang in Richtung Klein Raden ins Auge. Halb verhungert hockt das braune Federvieh mit gelben Schnabel im Straßengraben und bewegte sich nur auf den Flügelspitzen hüpfend vorwärts. Beim genauen Anblick stellt sich heraus, dass ein junger Seeadler offenbar aufgrund einer schweren Verletzung nicht mehr fliegen kann. Womöglich ist der König der Lüfte überfahren worden. Der Mann informiert darufhin die Behörden im Landkreis Güstrow. Dort wird entschieden, das Tier vorerst in die SOS-Station für verletzte und verwaiste Wildtiere nach Kläden zu bringen.

Heinz Kriesel, der die Station betreut, fuhr sofort zum Fundort und fängt das Tier ein. Bei einer Untersuchung in Kläden wurden erschreckende Verletzungen festgestellt, die sich das Tier nicht selbst, sondern ihm ein Mensch zugefügt haben muss.
„Sämtliche Flügelfedern wurden rausgerissen, ebenso ein großer Teil der Stoßfedern am Schwanz. Außerdem wurde der Vogel an seinen Flügeln teilamputiert“, berichtet Kriesel. Doch noch immer nicht genug der Qualen: Der König der Lüfte, so vermutet der Experten, muss wie ein Hund an der Leine am Boden gehalten worden sein. „Das lassen die Verletzungen am Hüftgelenk und am rechten Ständer erahnen“, sagt Kriesel schockiert.
Der Amtstierarzt des Landkreises Güstrow Dr. Christoph Küsters, der sich nach Abstimmung mit seiner Parchimer Kollegin Grit Zander das Tier in Kläden begutachtete, ist empört. „Das Menschen dazu fähig sind, ist unbegreiflich“, empört sich Dr. Küsters.
Zurzeit muss der Seeadler noch zwangsernährt werden, damit er wieder zu Kräften kommt. Sollten die Federn ausgerissen worden sein, als das Tier in der Mauser war, bestehe eine minimale Hoffnung, dass sich der Adler erholt.

Nach Abstimmung mit dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) und der Oberen Naturschutzbehörde hat die Untere Naturschutzbehörde in Güstrow Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft in Rostock gestellt.
Die Verantwortlichen im Landkreis mutmaßen derweilen wie der Vogel in Menschenhand kommen konnte. Vor zwei Jahren soll es im Raum Nordwestmecklenburg und Bad Doberan zu Plünderungen in Adlerhorsten gekommen sein. Ob davon das in Qualitz aufgefundene Tier stammt, lässt sich kaum beweisen.

Aber vielleicht haben Bürger Beobachtungen gemacht und können nun Hinweise geben, die dazu beitragen, die Herkunft des Tieres festzustellen. Sachdienliche Zeugen werden gebeten, sich bei der Naturschutzbehörde ihrer Landkreise oder bei den Amtstierärzten in Parchim oder Güstrow umgehend zu melden.

Quelle:  SVZ

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