Goldberger Glanzstücke

GOLDBERG/ MEDOW – Wenn Joachim und Ronald Graf zu Lötkolben und Schleifpapier greifen, entstehen wahre Glanzstücke: In ihrer Medower Werkstatt fertigen die Schlosser Wetterfahnen und Wandreliefs aus Kupferblech. Vom filigranen Schriftzug bis zur 1,30 Meter großen Adlerplastik – die Stücke sind echte Unikate. „Das macht nicht die Maschine. Das ist noch gutes altes Handwerk“, sagt Ronald Graf stolz. Mit Vater Joachim setzt er die Ideen seiner Kunden in die Realität um. Bis zu Wandrelief und Wetterfahne ist es jedoch ein mehrere Werktage langer Weg. Am Anfang steht die Skizze. „Mit dem Bleistift sind wir ganz gut zur Hand“, sagt Ronald Graf. Gemeinsam mit dem Kunden entwickeln die Schlosser eine Skizze des gewünschten Objektes. Der Fantasie sind dabei nahezu keine Grenzen gesetzt. „Das Wildschwein ist eines der beliebtesten Motive. Wir haben bestimmt schon hundert Stück davon angefertigt. Die Jäger sind ganz verrückt danach“, sagt Joachim Graf.

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Medower Handarbeit: Ihre Arbeiten wollen die Grafs beim MV-Tag in Schwerin präsentieren.

Nach Vorbild der Skizzen entstehen Schablonen, mit denen das gewünschte Motiv auf das Kupferblech übertragen wird. Dann prägen die Schlosser die Linien ins Blech, geben dem Werkstück die Silhouette. „Das Blech wird anschließend glühend gemacht und abgeschreckt. So wird es weicher und bearbeitbarer“, erklärt Ronald Graf. „Dann beginnt die aufwendigere Arbeit.“ Der Kupferplatte wird Volumen verliehen, so dass aus der zweidimensionalen Form eine dreidimensionale Plastik wird. Bei zweischaligen Motiven wie auf den Wetterfahnen werden dann die beiden identischen Einzelteile zusammengefügt und verlötet.Die Verbindungsstellen werden mit Farbe ausgebessert, um eine gleichmäßige Oberfläche zu erhalten. Mit Schleifmitteln arbeiten die Grafs die Feinheiten des Objektes heraus. „So kommt es dann erst richtig zur Geltung“, sagt Joachim Graf.

Seit Anfang der 90er-Jahre werden in der Medower Bauschlosserei Kupfertreibarbeiten gefertigt. „Wir wollten etwas machen, was andere Schlossereien nicht machen“, sagt Joachim Graf. Die Marktlücke fanden die Goldberger mit den Kupferarbeiten. Dieses Handwerk sei in den alten Bundesländern zwar noch vorhanden, im Norden hingegen eher selten vertreten, sagt Joachim Graf. Den Schritt in diese Richtung hat er nie bereut, auch wenn die ersten Versuche nicht gleich von Erfolg gekrönt waren. „Auf dem ersten Wetterhahn haben wir eine Woche lang herumgeklopft, aber zu gebrauchen war er nicht“, erzählt Joachim Graf und lacht beim Gedanken an die Anfänge. Mittlerweile gehen dem Vater-Sohn-Gespann die kunstvollen Arbeiten leicht von der Hand. „Das ist ins Blut übergegangen. Da muss man nicht mehr über jeden Schritt nachdenken. Bewusst arbeiten wir nur noch an der Schönheit. Mit jedem Stück wird man perfekter“, sagt Ronald Graf. So sind auch Spezialwünsche der Kunden wie die Nachfrage eines Galliners nach einer Nilpferdplastik für die Schlosser kein Problem. „Wir sind nicht an einen Standard gebunden und können experimentieren. Wir haben künstlerische Freiheit“, verdeutlicht Ronald Graf die Vorteile der Handarbeit. Diese teilen sich Vater und Sohn auf. „Dann sind wir schneller“, sagt Ronald Graf. Und Schnelligkeit ist gerade jetzt gefragt. Denn schon am kommenden Wochenende wollen die Grafs ihre Arbeit beim Mecklenburg-Vorpommern-Tag in Schwerin präsentieren. Hier wollen sie nicht nur auf ihr Handwerk aufmerksam machen. Auch der Austausch mit Interessenten ist den beiden Männern wichtig. „So kommen wir auf neue Ideen“, sagt Joachim Graf. Bis es soweit ist, sollen in der Werkstatt der Grafs aber noch einige Glanzstücke entstehen.

Quelle: SVZ

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