Abnahme auf niedrigem Niveau stabil

LÜBZ – Die Deutschen gehören mit zu den Weltmeistern, wenn es ums Wassersparen geht. Einige nach der Wende getätigte Investitionen, die sich am weitaus höheren Verbrauch vor 1990 orientierten, sind deshalb auch in unserem Land teilweise überflüssig geworden.

Lübz mit seinen komplett erneuerten Ver- und Entsorgungsanlagen gehört nicht dazu, aber der Vergleich ist trotzdem auch hier beeindruckend. Zu DDR-Zeiten wurden jährlich bis zu 500 000 Kubikmeter Wasser verbraucht, 2009 waren es noch gut 325 000. Entscheidenden Anteil daran haben die Schließungen der Molkerei und der Zuckerfabrik als Großverbraucher. Beide hatten bis Ende 1994 endgültig die Produktion eingestellt, so dass die Trinkwasserförderung bis Mitte des folgenden Jahres auf knapp 340 000 Kubikmeter sank. Der absolute Tiefpunkt war 2005 erreicht: Nicht einmal mehr 311 000 Kubikmeter. „Früher haben wir außerdem noch einige Dörfer versorgt, die heute zum WAZV gehören“, sagt Karl-Heinz Dobbertin, Geschäftsführer der Stadtwerke Lübz GmbH. „Bei uns hat sich der Verbrauch auf vergleichsweise niedrigem Verbrauch stabilisiert. Theoretisch haben wir genügend Kapazitäten, um die doppelte Zahl an Verbrauchern zu versorgen.“

Albrecht-300x272 in Abnahme auf niedrigem Niveau stabil
Holger Albrecht, Abteilungsleiter Gas/Wasser bei den Stadtwerken Lübz, an den Hauptleitungen bei den Reinwasserbehältern in Riederfelde

Heutzutage gehe man von einem Pro-Kopf-Verbrauch von 100 bis 120 Liter täglich aus. Wassersparen sei nach Meinung Dobbertins in der Regel allerdings nicht ethisch begründet, sondern geschehe aus kommerziellen Gründen – eine vergleichsweise schlechte Abwägung, denn ein Kubikmeter Trinkwasser (1000 Liter) kostet in Lübz so viel wie zwei Flaschen Mineralwasser à 0,7 Liter (0,0014 Kubikmeter): 1,28 Euro. Letzteres sei zudem nicht so überwacht wie das heimische, über das Gesundheitsämter und die Stadtwerke selbst mit Argusaugen wachen und für das noch strengere Grenzwerte gelten. Mit 12 Grad deutscher Härte liegt das Lübzer Wasser im Mittelbereich, in Parchim etwa weist es schon 20 Grad auf. „Wir machen nichts anderes als die Kollegen in Parchim, sondern haben einfach durch die Eiszeit bessere Voraussetzungen, was sich beispielsweise auch in der Lebensdauer von Hausgeräten zeigt“, so Dobbertin. Auf die Frage, ob auch er bei Durst den Wasserhahn aufdreht, um sich zu bedienen, antwortet er: „Natürlich! Man muss für sein Produkt stehen und wenn es nicht so wäre, würde ich es meinen Kunden nicht anbieten.“

Zu DDR-Zeiten kostete ein Kubikmeter Wasser 45 Pfennig. Der Preis erhöhte sich erst deutlich, als die Unterstützung durch das Förderprogramm Deutsche Einheit auslief. Seitdem habe man das Niveau halten können.

Das Trinkwasser für Lübz kommt aus vier rund 120 Meter tiefen Brunnen. Nach der Entfernung von Eisen und Mangan kommt es in zwei jeweils 900 Kubikmeter fassende Hochbehälter. Abwasser wird im Klärwerk wieder aufbereitet und fließt dann durch einen Bach in die Elde. „Im Fließen wird es belüftet, Bakterien bringen wieder Leben hinein“, erläutert Dobbertin. „Schon das in die Elde kommende Wasser könnte man problemlos wieder trinken. Das Image von Bakterien wird in der Regel auf das als Verursacher von Krankheiten reduziert. Dabei sind sie Grundlage des Lebens, nur mit ihnen funktioniert auch der Prozess in der Kläranlage.“ Der Kreislauf setzt sich fort, indem das Wasser verdunstet, in Wolken gehalten und letztlich nach dem Abregnen durch den Boden gefiltert wird. Die in Lübz geförderten Mengen – als einzelne Tropfen an Sandkörnchen angelagert – seien allerdings „uralt“ und nicht erst vor wenigen Jahren versickert. Gefahr sieht Dobbertin zum Beispiel darin, dass bei Bohrungen nach Erdwärme Trinkwasser leitende Schichten angeschnitten werden.

Die Stadtwerke investieren jährlich durchschnittlich rund 200 000 Euro ins Trinkwassernetz. Zunächst standen der Bau der 1993 fertiggestellten Kläranlage und die Erneuerung des Wasser- und Abwassernetzes – teilweise noch mit Bestandteilen aus der Zeit um 1900 – im Vordergrund. Demnächst sind schon wieder Arbeiten an den Reinwasserbehältern fällig. „Trinkwasser muss sicher und gleichzeitig bezahlbar sein“, sagt der Geschäftsführer. „Bei beidem brauchen wir keinen Vergleich zu scheuen.“ In Lübz kosten 100 Kubikmeter 181 Euro, in Schwerin sind es rund 284 und in Rostock sogar 384 Euro. Liegt die Verantwortung beim Wasser von der Förderung bis zum Verkauf voll in Hand der Stadtwerke, so stellt sich die Situation beim Strom gänzlich anders dar. Dobbertin: „Mich stimmt nachdenklich, dass mein Unternehmen in diesem Bereich als letztes Glied in der Kette langsam zum Steuereintreiber mutiert.“

Quelle: SVZ

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *